Scham- und Scheidenkrebs

Scham- und Scheidenkrebs – Vulva- und Vaginalkarzinom

Krebs an Scheide und Scham wird weltweit jährlich etwa bei 100.000 Frauen neu diagnostiziert. Dahinter können sich verschiedene Tumoren verbergen, die von unterschiedlichen Zellen der Genitalregion ausgehen. Am häufigsten sind die großen Schamlippen betroffen. Als auslösende Faktoren gelten Infektionen mit dem humanen Papillomvirus (HPV) vom Typ 16 und 18, aber auch chronische Erkrankungen, die mit einer Entzündung, Verhornung und Austrocknung im Bereich der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane einhergehen. Infektionen mit Herpesviren, Chlamydien und Treponema pallidum sowie chronische Reizungen im Genitalbereich können die Entstehung von Vulvakrebs begünstigen. Vulvakrebs ist eine Erkrankung des Alters – er verzeichnet ab dem 70. Lebensjahr einen deutlichen Häufigkeitsanstieg.

Prävention und Früherkennung

Beim Vulvakarzinom treten im Anfangsstadium meist keine Symptome auf. Allerdings können rötliche Flecken oder warzenähnliche Flächen an der Vulva auftreten. Juckreiz, Brennen, Hautveränderungen, vermehrter und oft übelriechender Ausfluss sowie irreguläre Blutungen gelten als typische Symptome, welche mit fortgeschrittenem Stadium immer häufiger auftreten können. Die genannten Symptome gelten zwar als Anzeichen für ein Vulvakarzinom, können aber auch andere Gründe haben. Derartige Veränderungen sollten regelmäßig mit dem Gynäkologen besprochen und deren Ursachen abgeklärt werden.

Im späteren Stadium kann der Tumor auch in Form eines Knotens oder Geschwürs deutlicher erkenn- und tastbar sein. Oft werden die Tumore dann von den Patientinnen selbst entdeckt. Bei Verdacht wird häufig mithilfe der Kolposkopie eine Gewebeprobe entnommen und diese mikroskopisch untersucht.
Die Früherkennung ist auch beim Vulvakarzinom von entscheidender Bedeutung. Optimal wäre eine Früherkennung einer Vorstufe (VIN). Diese kann entfernt werden, ohne dass es üblicherweise zu dauerhaften Beeinträchtigungen kommt.

Diagnostik

Rötungen, Schwellungen und Juckreiz können erste Krankheitszeichen sein, die ebenfalls durch die frauenärztliche Untersuchung abgeklärt werden müssen. Jede verdächtige Veränderung im Bereich des äußeren Genitales sollte biopsiert werden. Diese Gewebsprobe wird meist vom Zentrum der Veränderung entnommen. Wird bei der Biopsie ein Vulvakarzinom bestätigt, ist eine gründliche physikalische Untersuchung durchzuführen. Die Beurteilung der Lymphknoten in der Leiste ist hierbei besonders wichtig. Ergänzend kann eine Magnetresonanztomographie-Untersuchung durchgeführt werden.

Der häufigste histologische Typ des Vulvakarzinoms ist ein Plattenepithelkarzinom. Bei jüngeren Frauen herrscht der klassische oder bowenoide Typ vor, der mit einer HPV-Infektion, vor allem mit den HPV-Subtypen 16 und 18, assoziiert ist. Der häufigere Subtyp (verhornende Subtyp) wird bei älteren Frauen gefunden und ist nicht mit einer HPV-Infektion assoziiert. Melanome können ebenso im Bereich des äußeren Genitale auftreten und sind die zweithäufigsten histologischen Subtypen.

Therapie

Die chirurgische Entfernung des Primärtumors ist der wichtigste Behandlungsinhalt vor allem im Frühstadium eines Vulvakarzinoms. Beim Vulvakarzinomstadium I oder II wird der Tumor mit einem Sicherheitsabstand umschnitten. Bei frühinvasiven Vulvakarzinomen (Invasion <1mm) ist keine Lymphknotenentfernung in der Leistengegend notwendig, bei allen anderen Tumoren sollte zumindest auf der betroffenen Seite im Bereich der Leiste Lymphknoten entnommen werden.

Nach einer Primäroperation muss in Fällen von nicht komplett reseziertem Tumor oder bei Lymphknotenmetastasen im Bereich der Leiste eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Für fortgeschrittene Tumorstadien wird heutzutage eine präoperative Behandlung mit einer zeitgleich durchgeführten Chemotherapie und Radiotherapie empfohlen.