Eierstockkrebs

Eierstockkrebs – Ovarialkarzinom

Das Ovarialkarzinom ist eine bösartige Erkrankung der Eierstöcke, die sich oft innerhalb weniger Monate entwickeln kann. Die Produktion von befruchtungsfähigen Eizellen (Follikelreifung, Eisprung, Gelbkörperbildung) und der Geschlechtshormone (Östrogen und Gestagen) zählt zu den wesentlichen Funktionen der Eierstöcke. Weltweit erhalten jährlich etwa 225.000 Frauen diese Diagnose. Diese Krebsart tritt am häufigsten zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Ovarialkarzinome treten familiär gehäuft auf, wobei die Ursachen hierfür im Erbgut liegen.

So gibt es gewisse genetische Konstellationen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, einen Eierstockkrebs zu erleiden, bei ca. 60 % liegt. Wie beim Brustkrebs spielen auch in diesem Fall die beiden Gene BRCA 1 und BRCA 2 eine Rolle. Die genetische Komponente sollte jedoch nicht überbewertet werden, denn nur etwa 10 % aller Ovarialkarzinome sind genetisch bedingt. Ob Krebs entsteht oder nicht, hängt mit der Anzahl der Eisprünge zusammen. Daher bieten orale Kontrazeptiva wie die „Pille“ und häufige Schwangerschaften eine gewisse Schutzfunktion, da sie die Eierstöcke „ruhigstellen“.

 Prävention und Früherkennung

Je früher Eierstockkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft gibt es keine spezielle Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Einerseits können durch Abtasten der Eierstöcke etwaige Veränderungen festgestellt werden, wobei Frühstadien von Ovarialkarzinomen selten tastbare Tumoren verursachen. Die Ultraschalluntersuchung stellt hier die Methode der Wahl dar. Besonders bei Frauen mit Beschwerden oder einem familiären Risiko für Unterleibstumoren sollte dieser (regelmäßig) gemacht werden.

Einen gewissen Schutz vor Eierstockkrebs kann auch die Verwendung hormoneller Kontrazeptiva bieten. Vor- und Nachteile müssen aber immer individuell mit dem Frauenarzt abgeklärt werden.

 Diagnostik

Eierstockkrebs wird aufgrund mangelnder Frühsymptome erst spät bemerkt. Eine spezielle Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs gibt es nicht. Eine Tastuntersuchung im Rahmen einer regulären Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt bringt oft den ersten Hinweis. Neben der Abklärung von Veränderungen im Eierstockbereich mittels Tastuntersuchung ist die Ultraschalluntersuchung durch die Scheide eine wesentliche Untersuchungsmethode. Aber auch der vaginale Ultraschall kann maligne Tumoren nicht mit absoluter Sicherheit entdecken.
Wird ein Ovarialkarzinom in Betracht gezogen, werden üblicherweise bildgebende Untersuchungen im Sinne einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, um weitere Informationen bezüglich der Ausbreitung und der Lokalisation des Karzinoms zu gewinnen.

Ein Blutbild kann Aufschluss über sogenannte Tumormarker im Blut geben. Bei Eierstockkrebs spielt das Protein CA 125 eine wichtige Rolle. Der Wert dieses Proteins ist bei Vorliegen eines Ovarialkarzinoms oft deutlich erhöht, kann aber auch bei anderen Erkrankungen, wie etwa einer Entzündung im Becken, ansteigen.

Der Tumormarker alleine reicht nicht aus, um sicher auf Eierstockkrebs schließen zu können. Allerdings dient er der Überwachung während einer Behandlung.

Um ein Ovarialkarzinom eindeutig nachweisen zu können, ist eine Operation notwendig. Das Vorliegen eines Ovarialkarzinoms muss durch eine feingewebliche Untersuchung des entnommenen Tumorgewebes bestätigt werden. Bei der Operation werden der ganze Bauchraum und die einzelnen Organe sorgfältig exploriert. In der Regel entfernt der Chirurg so weit wie möglich den ganzen Tumor und alle seine Absiedlungen, beide Eierstöcke, die Gebärmutter sowie auch Lymphknoten aus dem Becken- und Bauchraum (je nach Betroffenheit).

Über 10 % aller Ovarialkarzinome beruhen auf einer genetischen Prädisposition. Deshalb sollte in einem Gespräch auch immer familiäre Vorbelastungen abgeklärt werden. Als familiär vorbelastet gilt eine Patientin, wenn eine Verwandte ersten Grades an Eierstock- oder Brustkrebs erkrankt ist. In den letzten Jahren ermöglichen Untersuchungen spezifischer Gene (BRCA1, BRCA2, HNPCC) die Identifizierung von Hochrisikopatienten für das Ovarialkarzinom. Dadurch können entsprechende Früherkennungsmaßnahmen bei diesen Patientinnen und ihren Familienangehörigen getroffen und das Risiko, ein Ovarialkarzinom zu spät zu bemerken, signifikant reduziert werden.

 Therapie

Die Therapie hängt davon ab, wie weit das Ovarialkarzinom fortgeschritten ist, ob es sich bereits im Bauchraum ausgebreitet hat und ob weitere Organe betroffen sind.
Bei unkomplizierten Eierstock-Zysten bringt die medikamentöse Therapie keine Vorteile und ist somit nicht indiziert.

Bei komplizierten Eierstock-Zysten und soliden Eierstocktumoren ist in jedem Fall auch vor dem Wechsel eine chirurgische Abklärung und Therapie erforderlich. Nach dem Wechsel liegt bei bestehen bleibenden Zysten, bei komplizierten Zysten, soliden Eierstocktumoren und bei erhöhten CA 125 Werten eine absolute Operationsindikation vor.

Die Therapie des Eierstockkrebses besteht üblicherweise aus einer aufwändigen, langen Operation, die einer großen chirurgischen Expertise und Interdisziplinarität vor allem mit Chirurgen und Urologen bedarf. Bei der Operation müssen der Tumor und seine Absiedlungen so vollständig wie möglich entfernt werden. In Abhängigkeit vom Tumorstadium müssen dazu beide Eierstöcke, die Eileiter, die Gebärmutter, das große Bauchnetz und evtl. auch die Lymphknoten im kleinen Becken und entlang der großen Bauchgefäße entfernt werden. Bei darmübergreifenden Prozessen werden auch Teile des Darms entfernt. Entscheidend für die weitere Prognose ist nämlich auch, ob möglichst alle sichtbaren Krebszellen, die sich im Bauchraum breit gemacht haben, erwischt werden.

Wenn eine chirurgische Behandlung aufgrund des Allgemeinzustandes der Patientin oder auch aufgrund des weit fortgeschrittenen Tumorstadiums als zu riskant für die betroffene Patientin eingeschätzt wird, kann eine neoadjuvante Chemotherapie (Chemotherapie vor der Erstoperation) den Tumor verkleinern und so eine Operation zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen.

Oftmals muss nach der Operation eine nachfolgende Chemotherapie durchgeführt werden, um noch vorhandene Krebszellen zu eliminieren. Sie wirkt im ganzen Körper und erreicht auch Tumorzellen, die sich möglicherweise weiter entfernt vom Ursprungstumor eingenistet haben.

Für Patientinnen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium steht seit Dezember 2011 zudem eine Antikörpertherapie zur Verfügung. Der eingesetzte Wirkstoff (ein sogenannter Angiogenesehemmer) bindet an Wachstumsfaktoren des Tumors und verhindert somit die Neubildung von Blutgefäßen, die für die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig sind.